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 | Tagebuch einer Nordlandtour von Bergen bis zum Nordkap |  |
McLane
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Verfasst am: Di 1 Jul 2008 13:59 |
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Montag, den 30. Juli und Dienstag, den 1. Juli 2008:
Pünktlich um 20:00 Uhr geht es los, wir legen vom Kai in Bergen/Norwegen ab und vor uns liegt eine zwar lange, aber wunderschöne einwöchige Schiffsreise, die uns zum Nordkap führen soll. Im Gegensatz zu Deutschland wird es hier aber schon um 21:00 Uhr so dunkel, dass wir uns schon eine Stunde später entschliessen, schlafen zu gehen. Während wir schlafen, legt unser Schiff aber noch in den Städten Floró und Málóy an, welches wir aber verschlafen (die Seeluft und der reine Sauerstoff macht bekanntlich müde).
Aber vorher habe ich noch eine Unterhaltung mit dem 1. Offizier, dem ich mit meinem gebrochenen Norwegisch versuche klarzumachen, dass wir bitte geweckt werden möchten, wenn wir in Torvik anlegen. Nach einer Viertelstunde vergebener Mühe meint er dann plötzlich lächelnd: „Herr Schnakenberg, wenn Sie wollen, können wir uns auch in Deutsch unterhalten“. – Mann, war ich sauer; das hätte er doch auch wohl etwas früher sagen können.
Einige Erklärungen:
Ich hatte nie vermutet, dass der Internet-Zugang auch von einem Schiff aus möglich ist. Wahrscheinlich über Satellit, bin kein Technikfreak. Deshalb also doch dieses Tagebuch, wo ich versuchen werde, täglich meine Berichte mit vielleicht einigen Bildern abzugeben.
Wenn ich in den Städtenamen ein ó angebe wie bei Tromsó, dann ist mit diesem ó das durchgestrichene o gemeint. Wenn ich ein á schreibe, dann ist es das a mit einem ° darüber. Nur zum besseren Verständnis.
Jetzt ist es schon Dienstag, der 1. Juli 2008, sind um etwa 9:30 Uhr in Álesund und jetzt um 13:15 Uhr bewegen wir uns langsam durch den Geirangerfjord, wo wir in der Stadt Geiranger anlegen werden. Es ist atemberaubend, dieser Blick. Hätten wir eine Livekamera, könnte ich euch diesen paradiesischen Anblick mitteilen. Muss jetzt raus, selber schauen und Bilder machen. Morgen geht’s weiter.
Euer Martin
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In der Phantasie ist alles möglich. - Denn ohne unserer Phantasie würden wir heute noch in Höhlen hausen. |
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McLane
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Verfasst am: Do 3 Jul 2008 08:38 |
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Mittwoch, der 2. Juli und Donnerstag, der 3. Juli 2008:
Nach dem Geirangerfjord sind wir noch in der Nacht Molde und Kristiansund angelaufen. Und jetzt wird es stürmisch. Und dadurch merklich kühler. Es ist jetzt 7:45 Uhr. Und wir laufen in einer der schönsten Fjorde ein mit Zielhafen Trondheim. Das Wetter beruhigt sich wieder, als wir Trondheim pünktlich um 8:15 Uhr erreichen. Wie schafft der Käpt’n es bloss, trotz stürmischer See so pünklich zu sein !!!
Haben jetzt Zeit, uns die Stadt anzuschauen, denn die nächste Abfahrt ist erst um 12:00 Uhr.
Trondheim ist eine wunderschöne Stadt, ganz im alten Stil. Sie ist übrigens die Heimatstadt von Anders Bardal, einem berühmten norwegischen Skispringer. - Wir besuchen den Dom und die alte Festung. Um jetzt nicht gleich alles neu schreiben zu müssen, habe ich euch mal aus Wikipedia die Adresse rausgesucht, damit ihr erkennt, warum diese Stadt so faszinierend ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Trondheim
Um 12:00 Uhr geht’s dann aber weiter auf der langen Reise. Um 20:30 Uhr legen wir zwar noch mal in Rórvik an, aber wir gehen früh schlafen, damit wir nach Auslaufen von Nesna ganz früh am Donnerstagmorgen nicht gegen 07:15 Uhr die Überquerung des nördlichen Polarkreis verpassen. Aber wir werden pünktlich geweckt und zur Feier der Überquerung wird jedem Passagier am frühen Morgen vom Käpt’n des Schiffes ein Glas Sekt zum Frühstück serviert. Alles feierlich aufgemacht mit Feuerwerk und Einmarsch der Kellner. Einmalig schön.
Unser Schiff heißt übrigens „MS Midnatsol“ und ist ein wunderbares Kreuzfahrtschiff.
http://www.hurtigruten-reise.de/hurtigrutenschiffe/msmidnatsol/index.html
Wir haben eine Suite auf dem 8. Deck mit Veranda und einer wunderbaren Aussicht. Und es ist mittlerweile Donnerstag geworden. Bald also mehr.
Euer Martin
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McLane
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Verfasst am: Fr 4 Jul 2008 01:15 |
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Donnerstag, der 3. Juli 2008:
Es ist jetzt 21:30 Uhr und wir haben heute Fjorde und Städte gesehen, die zu beschreiben das Tagebuch sprengen würde. Es waren einfache und ruhige Städte und Orte wie Órnes, Bodó und Stamsund und auch die Fjorde waren zwar flach, dafür aber die Berge hoch und faszinierend.
Einen kleinen Zwischenfall gibt es noch an Bord, den ich unbedingt erzählen muss. Denn ganz urplötzlich gibt es einen Rums, der sogar bei uns auf dem 8. Deck zu spüren ist. Ein Schrei gelt über das Schiff „Hilfe, wir sinken“. Später stellt sich dann heraus, das es ein Südländer war (wahrscheinlich Araber oder so), dem das Geräusch aufgeweckt hatte: ein kleines altes Fischerboot, was sich von Land losgerissen hatte und gegen die Bordwand geprallt war. Eine viertel Stunde später sehen wir auch einige Fischer, die das Boot wieder an Land bringen.
Jetzt sind wir in Svolvaer auf der Inselgruppe der Lafoten und legen jeden Augenblick ab, um gegen Mitternacht Stokmarknes auf der Inselgruppe Vesterálen zu erreichen.
Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Svolvaer
und http://de.wikipedia.org/wiki/Stokmarknes
Obwohl es hier wärmer ist (etwa 14°C, bedingt durch den Golfstrom), werden wir sicher so langsam unsere Winterklamotten rausholen müssen. Auch die Tage werden merklich länger. Morgen gegen 14:30 Uhr wollen wir Tromsó erreichen. Dort, wo die Sonne jetzt schon den ganzen Tag scheint.
http://de.wikipedia.org/wiki/Troms%C3%B8
Und dann geht es ganz schnell in die Kälte und bald auch in die Mittsommernacht. – Und darauf freue ich mich.
Euer Winterfan
Martin
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Verfasst am: Fr 4 Jul 2008 01:15 |
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McLane
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Verfasst am: Fr 4 Jul 2008 23:24 |
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Freitag, der 4. Juli 2008:
Der Tag beginnt traumhaft: eine ganz große Familie Schweinswale zieht eine Zeitlang neben uns her. Es mögen vielleicht 10-15 Tiere sein. Und dann taucht auf der anderen Seite plötzlich mit einer riesigen Fontäne ein Buckelwal auf, und dann noch einer. Sie machen gewaltige Sprünge, klatschen auf und tauchen dann wieder ab. Auch die schwarz/weißen Schweinswale, die Ähnlichkeit mit einem Orca haben, sind total verspielt und schwimmen um die Wette um unser Schiff herum. Es ist wunderbar, diese Tiere in allernächster Umgebung zu sehen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinswale
http://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnlicher_Schweinswal
http://de.wikipedia.org/wiki/Buckelwal
Und dann wird der gute Tag ein sehr schlechter Tag für mich, schwarz, rabenschwarzer Freitag. - Denn während ich die Wale und die Welt um mich herum fotografiere und, entgegen meiner Angewohnheit, den Gurt der Kamera nicht um den Hals trage, stößt mich ein anderer Passagier unfreiwillig an und die Kamera versinkt in den Tiefen der See. Leider war es eine Spiegelreflex der alten Bauart (nicht digital) der Marke „Cosina“, die heute zu den Raritäten zählt. Positiv: Marcel hatte mit seiner Digikamera auch mehrere Aufnahmen gemacht. Und: Wenn die Archäologen der Zukunft diese Kamera finden und die Bilder entwickeln können, haben sie einen schönen Einblick in das Jahr 2008. - Nur, sie ist jetzt weg und nicht mehr zu ersetzen. Das ärgert mich sehr. So ein Mist.
Wir waren heute in Tromsó. Jetzt ist es 19:00 Uhr und wir sind in der Inselwelt unterwegs Richtung Hammerfest. Schneebedeckte Gipfel. An Deck wird es jetzt ungemütlich. Ein eiskalter nasser Nordwestwind hat uns in seinem Bann. Ohne Winterjacke keine Chance gegen das Zähneklappern. Trotzdem ist es hell, sehr hell. Das ist die Mitternachtssonne, die wir an ihrem höchsten Stand am Nordkap erreichen werden. Ich bibbere nicht vor Kälte, sondern vor Erwartung. Auch Torsten und Marcel geht es so. Wir können es einfach nicht erwarten, das Ziel unserer Reise zu erreichen. Skjervóy 22:30 Uhr, dann gehen wir schlafen und versäumen Òksfjord, was eine wunderschöne Siedlung sein soll in einem wunderschönen Fjord. Es wird schon langsam Samstag, morgen gibt’s mehr.
Euer Martin,
der immer noch sauer ist wegen der Kamera
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McLane
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Verfasst am: Sa 5 Jul 2008 07:43 |
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Samstag, der 5. Juli 2008:
5:15 Uhr. Wir laufen Hammerfest in strahlender Morgensonne an. Von hier dauert es nicht mehr lange zum nördlichsten Punkt Europas. Und ich bin etwas enttäuscht. Denn als ich das letzte Mal vor 5 Jahren hier war, war es merklich kühler. Wir sind jetzt vorsichtshalber in unsere Winterklamotten eingepackt, aber wir haben es grad eben 11°C - und schwitzen. Okay, wir schwitzen auch wegen der Anspannung, und noch mehr wegen der am Horizont immer dastehenden Sonne, die am Tag ihren hellen Schein abgibt und die Nacht in ein diffuses unwirklich helles Licht taucht. Aber auch, noch mal gesagt, wegen der Wärme.
Die Wale begleiten uns weiter und die Gewaltigkeit der Fjorde wechselt fast viertelstündlich. Mal ein flacher, fast ohne Berge, dann wieder Riesengebirge, wo die See einen gewaltigen Einschnitt geschaffen hat. Ein Wechselspiel der Gefühle, ein Wechselspiel der Natur. Grüne Landschaften, eisbedeckte Höhen, gewaltige Wale in einer ruhigen See, Wasserfälle aus großen Höhen. Vielfältiger und schöner kann es nirgends sein. Wenn es eine Schöpfung gegeben hat, dann ist hier in den norwegischen Fjorden der Höhepunkt zu sehen. Morgen gegen etwa 10:00 Uhr werden wir Kirkenes im wunderschönen Varangerfjorden erreichen, dort in einem Buss umsteigen und dann…
Ja dann werden wir am Nordkap sein und keine Internet-Verbindung mehr. Gerne würde ich euch meine Eindrücke vom Nordkap schildern, aber das werde ich später machen bzw. nachholen müssen. Denn vom Nordkap werden wir zurückfahren nach Hammerfest, dort ein anderes Schiff besteigen, was uns dann nach Spitzbergen bringt ins ewige Eis. Dorthin, wo wir hoffentlich endlich unsere Schneemänner bauen können ;-)
Ich hoffe, dass ihr an meinem Tagebuch einer Nordlandreise Gefallen hattet. Der abschließende Bericht mit vielen Bildern wird später kommen. Vorerst die Info-Adressen über Kirkenes:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kirkenes
http://www.kirkenesinfo.no/
Bis bald,
eure „Nordländer“ Martin, Torsten und Marcel mit vielen Grüßen in das heiße Deutschland.
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Verfasst am: Sa 5 Jul 2008 20:33 |
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